Demokratische und demografische Regression

Demokratische und demografische Regression

9. Dezember 2025 0 Von Thomas Ertl

Europa am Ende? Trumps Kriegserklärung?

Es ist müßig, die Lage immer wieder zu beschreiben, wenn es nichts Neues im Sinne einer Umkehr oder eines Ansatzes von Änderung zum Besseren zu berichten und analysieren gibt. Die Situation hat sich auch durch das Strategie-Paper NSS 2025 (National Security Strategy) der US-Regierung unter Donald Trump vom 4. Dezember 2025 nicht signifikant verändert.

Von „Kampfansage an Europa“[1] oder „zivilisatorischer Auslöschung“[2] wurde geschrieben, aber letztlich ist nun nur offiziell, was die Rhetorik der US-Administration seit Monaten vermittelt. Die letzten naiven Europäer wurden am Donnerstag aufgeschreckt und konnten mit weit aufgerissenen Augen lesen, was der Kreml seit Langem behauptet: Europa ist schwach und wird sich durch Spaltung, Migration und „westlichen Lebensstil“ selbst vernichten. Nur die USA und die rechtspopulistischen Parteien Westeuropas seien in der Lage, die notwendige Balance mit einem Russland herzustellen, dass sich seiner Existenz erwehren muss. Der Ukraine wird nur noch Lebensfähigkeit zugestanden Das sozialdemokratische IPG spricht vom NSS-Paper als einer „Kriegserklärung“, das Europa doppelt bedroht: „für die EU als Projekt und für die europäischen liberalen Demokratien.“[3]

In einem weiteren Textteil des NSS-Papers wird auf das Problem sinkender Fertilitätsraten in der EU aufmerksam gemacht und damit der Untergang der westeuropäischen Zivilisation heraufbeschworen. Der Hinweis im NSS 2025 auf die sinkenden Geburtenraten in der EU[4] muss allerdings auch dem Kreml zu denken geben, denn in Russland schaut es nicht besser aus und Putins Krieg gegen die Ukraine dezimiert darüber hinaus den Bestand an jungen Männern zusätzlich. Sollten also Trumps MAGA-Anhänger die letzten „Mohikaner“ mit Verstand und Lebenslust sein? Die USA sind die momentan am stärksten gespaltene Bevölkerung. Die Projektion auf die EU lenkt vom eigenen Problem ab, dass mit einem drastischen Abbau an Demokratie und Menschenrechten einhergeht. Da hilft auch der Verweis auf die europäischen Geburtenraten nicht. Außerdem: Die Fertilitätsrate der USA liegt seit einigen Jahren bei 1,64, die der EU bei 1,4. Die Differenz erodiert noch mehr unter dem Aspekt der „fruchtbareren“ Evangelikalen in den USA.

Abbildung 1: US-Fertilitätsraten von 1990 bis 2020

Da der bevölkerungserhaltende Wert bei 2,1 liegt, geht es bei dem Vergleich zu Europa nur um die Geschwindigkeit, wann welche Nation vor der Auflösung steht. Wird der Stadt-Land-Effekt (mehr Lebensraum) und mehr Religiosität der USA gegenüber Europa einbezogen, verblasst die Attacke der US-Regierung vollends. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass besonders Gläubige in den USA deutlich mehr Kinder (2,2) auf die Welt bringen.[5] Nicht-Religiöse liegen bei ca. 1,3.[6] Es werden am Ende nur noch die radikalen Evangelikalen übrig bleiben.

Für Russland mit viel Land und großem Einfluss der Orthodoxie ist eine Fertilitätsrate von 1,4 noch negativer zu bewerten. Es hängt eben auch von Lebensperspektiven ab, die bei solchen Werten als wenig ermutigend bezeichnet werden können. Es hat viel mit Enge zu tun, denn Staaten und Städte mit weniger Platz sind besonders betroffen. So auch das von den USA gestützte Taiwan mit 0,87 Kinder pro Frau. Darüber findet sich kein Wort im NSS-Paper.

Das NSS-Paper ist eindeutig prorussisch gefärbt und unterstützt die rechtspolitischen Bewegungen gleichermaßen. Die EU hat es seit Trumps Wiederwahl nicht nur mit Russland und den aufkommenden europäischen Rechtspopulisten zu tun, sondern durch Trump, den US-Tech-Milliardären und der MAGA-Bewegung auch mit den USA. Dass die USA nicht länger die militärischen Aufgaben der EU übernehmen und finanzieren möchte ist nachvollziehbar. Damit lassen sich freilich nicht die geradezu feindlichen Äußerungen erklären, dass die EU zum Zweck der Ausbeutung der USA gegründet worden sein soll. Aber es zeigt die Ambivalenz der EU.[7] Die EU möchte, aber kann nicht ohne die USA. Die Beleidigungen und Belehrungen aus dem Weißen Haus werden mehr oder weniger hingenommen. Die EU steht mit dem Rücken zur Wand.

Internationale Konzerne

In dem US-Paper finden sich auch Hinweise auf die Ambiguität der EU und insbesondere zu Unternehmen, die sich über die hohen Energiepreise beklagen. Das im NSS-Paper erwähnte BASF ist der weltweit größte Chemiekonzern und sieht in China den bedeutendsten Wachstumsmarkt. Dort, wo russisches Gas hilft, Chinas Energiebedarf zu decken, sieht die BASF die besten Perspektiven der 234 Produktionsstandorte in 93 Ländern. Das ist klare kapitalistische Logik und die Aktionäre werden es danken. Gerade hat BASF-CEO Markus Kamieth die Bedeutung des Stammwerks in Ludwigshafen betont, aber auch China als Standort hervorgehoben. Interessant ist seine Sichtweise auf die Konfliktlage im Südchinesischen Meer: Kamieth empfiehlt Zurückhaltung bei Wahrung des aktuellen Gleichgewichts in der Taiwan-Frage.[8] Wer will es ihm verdenken, denn Russlands Exodus westlicher Unternehmen vor Augen kann ein Krieg der USA gegen China mit und ohne NATO das BASF-Geschäft schnell beenden.

Der Einfluss von Staaten ohne ökonomische und/oder militärische Macht ist gering. Während die USA besonders unter Trump beständig Druck ausüben, US-Konzerne nicht zu regulieren und/oder zu besteuern, bleiben Staaten ohne internationalen Einfluss ohnmächtig. Trumps Zoll-Orgie richtet sich auch gegen EU-Bestrebungen, US-Konzerne zu regulieren und mit der Digitalsteuer zur Kasse zu bitten, auch wenn der Firmensitz in den bekannten Steueroasen Irland, Luxemburg und den Niederlanden installiert wurde. Der Schutz US-amerikanischer Tech-Konzerne wird mit den Verhandlungen um den Frieden in der Ukraine und dem drohenden Entzug von militärischen Sicherheiten gestützt. Es ist pure Erpressung. Aber die EU hat jahrzehntelang zugeschaut und die „Friedensdividende“ eingestrichen, solange Russland nichts vollends in die Offensive gegangen war. Die USA hatten auf dieses Missverhältnis bereits unter den Präsidenten der Demokraten vor Donald Trump hingewiesen. Diese Lektion ab 2025 wird nun härter, leidvoller und viel teuer. Noch bitterer ist das Versäumnis, dem Silicon Valley nichts entgegengesetzt zu haben. Stattdessen ließen sich hervorragende Forschungskräfte und Start-Ups in die USA abwerben. Im Ergebnis hat die EU keine militärischen Fähigkeiten, keine wirksamen Satelliten und keinen Zugriff auf relevante Web-Ressourcen. Das sollten die USA bereitstellen. Die EU kümmerte sich um Menschenrechte und Umweltschutz.   

 Diese schon traditionelle Naivität der europäischen Demokratien rächt sich in einer tragischen Form: die Ukraine wird unter den empörten Augen der europäischen Menschenrechtler massakriert und verteilt.

Die EU wird noch mehr leiden

Die ökonomische Komponente hat die nationalen bzw. regionalen Grenzen längst verlassen. Internationale Konzerne entziehen sich nationaler Kontrollen und beklagen vehement alle Formen von Regulierungen. Auch das ist ein Teil der US-Agenda: Die EU zu zwingen, den US-Firmen vollständige Freiheit im Handel zu garantieren. Elon Musk hat das strategische Ziel offen ausgesprochen, nachdem die EU eine Strafe gegen „X“ wegen Intransparenz von läppischen 120 Mio. EUR verhängt hatte: die Abschaffung der EU. Musk bekam in seiner EU-Schelte prominente Unterstützung durch Außenminister Marco Rubio und Vize-Präsident J.D. Vance. Die politischen Läger sind gut erkennbar. Die EU muss einsehen, dass nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine in 2022 nun die zweite Zeitenwende[9] gekommen ist. 

Kurze Zeit nach der Veröffentlichung des NSS-Papers wurde eine andere nicht offizielle Version „geleakt“ und von der Informationsplattform Defense One in Teilen veröffentlicht. Auch wenn das Weiße Haus die Relevanz dieser erweiterten Version des NSS-Papiers bestreitet, so sind die neuen Passagen nicht im Widerspruch zum offiziellen Papier. Als herausstechend kann das Bestreben der Trump-Regierung bewertet werden, die EU dahingehend zu spalten und zu schwächen indem namentlich Ungarn, Polen, Italien und Österreich herausgebrochen werden sollen. Das sind Staaten mit starken rechtspopulistischen Bewegungen und kurioserweise mit den niedrigsten Geburtenraten der EU; abgesehen von Ungarn, dass sich eigentlich schon auf die Seite von Trump und Putin geschlagen hat.

Es wird dabei auch auf den Gegensatz von typisch europäischen und guten traditionellen Lebensweisen der USA hingewiesen, die den Ursprung „weißer“ christlicher Überlegenheit wiedergeben. Wie beliebig und inkonsistent die Argumentation aufgebaut wird, ist nicht nur am Beispiel der Geburtenraten ersichtlich. Im immer noch stark katholischem Polen werden neuerdings auch Prämien für Geburten ausgezahlt wie in vielen anderen Staaten mit extrem niedrigen Fertilitätsraten. Es hat noch nirgends eine Wende herbeigeführt. Staaten verlieren die Kontrolle über Familien und deren Lebensentwürfe. Moderne Sozialstaaten, ob China oder Polen oder sonst wo, versuchen staatlich zu lösen, was vor der industriellen Revolution die Lebensversicherung in der Landwirtschaft war:  Kinder und Familien. Inzwischen sind es nicht die eigenen nachfolgenden Generationen, die das Alter absichern, sondern die wachsende Volkswirtschaft mit ihrem Tribut an den Staat. Dass diese Rechnung nicht dauerhaft aufgehen muss, erfahren wir an den Rentendiskussionen nicht nur in der EU, sondern auch in China. Das muss nicht gleich der Untergang sein, aber rückt ein Problem mehr und mehr in die öffentliche Diskussion. Es stellt sich die zweite grundlegende Frage, ob die globale Lage und das ewige Wachstum Planet und Gesellschafen überfordern. Der Rückgang der Population wäre dann eine darwinistische Antwort, eine Art Mutation aufgrund lebensfeindlicher Umstände durch Überpopulation in Form von überfüllen Städten, Overtourism, Blechlawinen, Sorgen um die Zukunft etc. Auch wird klar, dass dieses Leben sich von dem der religiösen „Hillbillys“ in den US-Prärien unterscheidet. Die MAGA-Bewegung stemmt sich gegen die gesellschaftliche Evolution, ist eine de-darwinistische Antwort auf Globalisierung und Erweiterung von Menschenrechten, besonders die der Frauen. Das hat auch schon Peter Thiel erkannt, der z. B. das Frauenwahlrecht und die zunehmende Umverteilung der Care-Arbeit in den Familien beklagt. Diese Haltung wird in dem NSS-Papier und der „geleakten“ Version untermauert. Aber es wird auch konkreter.   

Weiter wird in dem Leak-Paper der US-Rückzug aus der europäischen Verteidigung und der Abschied vom Hegemonie-Modell proklamiert. Das ist insofern erstaunlich, weil die US-Hegemonie noch als Teil der US-Rhetorik die Attitüde der Supermacht ausdrückt. Die US-Regierung passt damit nicht nur die Strategie an die multipolare Neuordnung an, sondern entwickelt auf dem Reißbrett politische Einflusssphären, die den südostasiatischen Pazifikraum ins Zentrum rückt. China soll einerseits mit Unterstützung der NATO-Partner an der Kontrolle der Seestraße gehindert werden, aber gleichzeitig soll u.a. ein neues Bündnis (Core 5 oder C5) bestehend aus USA, China, Japan, Indien und Russland den aktuellen Status absichern. In dem Papier wird das US-Streben nach Hegemonie als gescheitert erklärt und stattdessen auf eine Abstimmung auf Einflusssphären gesetzt. Die EU ist außen vor, Völkerreicht und Demokratie weichen militärischer Potenz. Die USA wollen nicht mehr Weltpolizei sein, aber auch nicht von anderen bedroht werden[10] und anscheinend ist das EU-Beharren auf Demokratie, Gewaltenteilung und Völkerrecht eine größere Herausforderung als die territorialen Ambitionen der Autokraten-Nationen Russland und China solange die USA oder deren Vasallen nicht betroffen sind. Damit wäre auch das Problem „Taiwan“ umrissen.


USA: ökonomisches Vorbild?

Ist der Trump’sche Regierungsstil eine Machtdemonstration oder aber Verzweiflung angesichts permanenter Probleme und dem Widerstand des neuen mächtigen China?

Die US-Regierung hat in dem NSS-Paper auf den Rückgang des globalen BIP-Anteils der EU verwiesen, um die Schwäche des alten Kontinents zu dokumentieren. Nun, unabhängig davon, dass die Zahlen nicht vom Abgang Großbritanniens bereinigt wurden, lässt sich festhalten, dass die USA keinen Deut besser dastehen, wenn der überaus überbewertete US-Dollar auf seine echte Kaufkraft heruntergebrochen wird.

Dann stehen EU (ohne UK) und USA etwa gleich bei gut 14 % des globalen BIP, China hingegen bei knapp 20 %.[11] Wenn dann noch hinzugerechnet wird, dass in den USA das BIP durch deutlich mehr Verschuldung als in der EU zustande gekommen ist, wird aus dem vermeintlichen Vorteil das genaue Gegenteil.

Wer sich in den US-Staaten der ehemaligen Stahl- und KFZ-Hochburgen umschaut, erkennt in dem „Rust-Belt“ den Niedergang traditioneller US-Industrien, die u. a. nach Mexiko und China verlagert wurden. Hier versucht ein Staat, der seinen eklatanten Import-Überschuss mit US-Dollars des Auslands finanziert, mit Zöllen und anderen Methoden der Erpressung die unzulängliche Ökonomie zu vitalisieren. Bislang sind diese Maßnahmen Trump sei Dank nur in Inflation geflossen. Ein Aufschwung ist an den Arbeitsmarktzahlen nicht festzumachen. Zudem ist die wirtschaftliche Entwicklung ungleichmäßig. Mittlere und kleinere Unternehmen leiden unter den Zöllen und haben die Beschäftigung zurückgefahren. Die KI-Industrie boomt mit neuen großen Rechenzentren. Sind diese erst flächendeckend installiert, werden sie nur mit wenigen Beschäftigten betrieben und der aktuelle Beschäftigungseffekt ist erst einmal dahin. Mehr noch wird der KI-Effekt Beschäftigung zurückfahren, denn darin besteht der Sinn dieser Investitionen: es soll menschliche Arbeit ersetzt werden.[12]

Die sich ausbreitende Unruhe in der US-Gesellschaft hat sich auch im weißen Haus herumgesprochen, so dass Donald Trump aus den Zolleinnahmen jedem US-Bürger – außer den Großverdienern – eine „Dividende“ von 2.000 US-Dollar auszahlen möchte. Beschäftigungseffekte sind damit nicht zu erzielen, allenfalls mehr Inflation.[13]

Die US-Misere spricht zwar nicht für die EU, aber korrigiert die Relation zu den USA fundamental. Der kaufkraftbereinigte Vergleich ist den Autoren des NSS-Papers durchaus bekannt, denn im Part zu Asien wurde dieser Wert selbst verwendet, um die wirtschaftliche Potenz der indopazifischen Region hervorzuheben. Um die EU zu diskeditieren wird dann schon mal der Modus verändert.

Der große Gewinner ist seit der Jahrtausendwende China, auch wenn der Staatsführung aktuell die Grenzen aufgezeigt werden. Die anhaltende Immobilienkrise und der schwache Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe von unter 50[14]  zeigen seit Monaten eine stagnierende chinesische Wirtschaft an.[15] In China beginnt eine Götterdämmerung in allerersten Ansätzen. Die USA sind über diesen Punkt weit hinaus. Nicht nur deshalb lamentiert die US-Regierung im NSS-Paper über Chinas Export-Aktivitäten. Inzwischen flutet China weiter Produkte in die USA über Proxy-Staaten, was wohl auch ein Argument für Trumps Zoll-Rundumschläge gegen andere asiatische Drittländer auslöste. Die Supermacht hatte nach dem zweiten Weltkrieg den Freihandel auf die Fahnen geschrieben und die Welt mit US-amerikanischen Produkten nicht nur geflutet, sondern amerikanisches Lebensgefühl exportiert. Der „Zauberlehrling“ wird diese Geister des Freihandles nicht mehr los. Der Protektionismus ist eine gefährliche Vorstufe zu weiterer Eskalation, die nun offiziell im neuen Nationalen Strategiepapier niedergeschrieben wurde. Die EU soll gedrängt werden, US-Waren zu kaufen und den angedachten Deal mit Russland und der Ukraine nicht torpedieren. Nun besteht die Welt inzwischen aus mehreren Polen und das NSS-Paper widmet sich auch dem Nahen Osten und Afrika. Der Part zu Afrika liest sich wie die chinesische Blaupause für die Infiltration eines Kontinents: kein werteorientiertes Engagement, aber lukrative Investitionen und Zugriff auf Mineralien und fossile Reserven.

China gibt den Ton an

China hat planmäßig und weitsichtig die eigene Industrie mit Hilfe westlichen Knowhows ausgebaut. Es wurden nicht nur westliche Unternehmen zur Mitwirkung chinesischer Unternehmen in sogenannte Joint Venture genötigt. Allein in den USA haben Chinesen einen Anteil von 25 % an der gesamten internationalen Studentenschaft. Seit Trump 1.0 ist der Wert langsam gefallen. 2019 lag der Anteil noch bei 35 %.[16]

Know-How wurde und wird in großem Stil transferiert und zum Treibstoff für die technologische Dominanz in der Künstlichen Intelligenz. Chinas Transformation von einem beliebigen Billiglohnland hin zur technologisch führenden Industriemacht ist atemberaubend. Ein Blick auf den afrikanischen Kontinent belegt, dass moderne Kommunikation ohne Huawei nicht mehr möglich ist.  

70 % der Unterseekabel in Afrika sind inzwischen von Huawei verlegt worden. 50 Staaten und 300 Millionen Afrikaner sind durch das chinesische Unternehmen vernetzt und auf das Equipment angewiesen.[17]

China hat früh den Vorteil autonomer Wertschöpfungsketten erkannt und neuralgische Elemente wie den Einsatz Seltener Erden eliminiert, indem mit ressourcenreichen Drittstaaten Verträge über Erze geschlossen wurden. Aktuell hängen etliche westliche Wertschöpfungsketten an der Lieferung raffinierter Seltener Erden aus China. Das musste auch Donald Trump erkennen, denn keine Kampfjet-Fertigung kommt ohne diese Ingredienzien aus. Trumps Erpressungspotenzial gegenüber Peking ist limitiert und dokumentiert die neuen globalen Machtkoordinaten. China hat ein Quasi-Monopol an raffinierten Seltenen Erden.

Russland und die USA spalten Europa mehr oder weniger erfolgreich. Chinas Ökonomie ist bei allen Problemen resistent und technologisch auf dem Vormarsch mit Richtung Europa. Damit sind drei wesentliche Player identifiziert, die als autoritär gelten, aber nur Russland und die USA setzen neben den Golfstaaten so vehement auf fossile Energien. Der Vorwurf überproportionaler Fossilverbrennung lässt sich auf China nicht übertragen, denn im Reich der Mitte wächst die grüne Stromerzeugung schneller als der Strombedarf. Chinas Solar- und Windkraft-Industrie steht in einem intensiven Wettbewerb zwischen den Herstellern, was die Preise purzeln ließ. Allein die Exporte von Solarpanels, E-Autos und Batterien senkten den CO2-Ausstoß außerhalb Chinas um 1 Prozent.[18] Davon sind Russland und die USA Lichtjahre entfernt, weil sie es nicht wollen.

 Das gilt umso mehr für die USA, die den Weg der demokratischen Regression aggressiv eingeschlagen haben und ihre Nachbarstaaten Mexiko und Kanada drangsalieren und ein Auge auf das ressourcenreiche Grönland geworfen haben. Während China immer noch als aufstrebende Macht beurteil werden kann, begeben sich die USA in eine intransparente Doppelstrategie: Mit den alten transatlantischen Alliierten wird Gegnerschaft und Partnerschaft gelebt; mit China und Russland wird allenfalls respektvoll um den besten Deal gestritten. Die Sympathien haben sich neu verteilt. Das kann für die USA zum Bumerang werden, wenn die EU es schaffen sollte neue Partner zu finden und technologisch autonom zu werden. Das Problem der EU ist die EU selbst. Die Strukturen sind auf Verhinderung und Blockade angelegt. Das russisch-chinesische „U-Boot“ Ungarn tanzt den Gründern der EU auf der Nase herum und gewinnt mit der Slowakei und Tschechien neue Partner in der Aufweichung solidarischen Beistands der Ukraine. Deren Argumentationen finden wir auch in den Programmen von AFD und BSW: russisches Gas ist wichtiger als freies Leben in Europa.


[1] NTV 2025, o.S.: Trumps Sicherheitspapier gleicht Kampfansage an Europa. https://www.n-tv.de/politik/Trumps-Sicherheitspapier-gleicht-Kampfansage-an-Europa-id30112539.html. 08.12.2025

[2] Anja Wehler-Schöck 2025, o.S.: Thank God It’s International Friday 51: Droht Europa „die zivilisatorische Auslöschung“? https://www.tagesspiegel.de/internationales/thank-god-its-international-friday-51-droht-europa-die-zivilisatorische-ausloschung-15020401.html.08.12.2025

[3] Christos Katsioulis & Filip Milačić 2025, o.S.: Amerikanische Kriegserklärung. https://www.ipg-journal.de/rubriken/aussen-und-sicherheitspolitik/artikel/amerikanische-kriegserklaerung-8732/?utm_campaign=de_40_20251208&utm_medium=email&utm_source=newsletter. 08.12.2025

[4] The White House 2025, S. 25: National Security Strategy. https://www.whitehouse.gov/wp-content/uploads/2025/12/2025-National-Security-Strategy.pdf. 08.12.2025

[5] Tomas Frejka & Charles F. Westoff 2007, o.S.: Religion, Religiousness and Fertility in the US and in Europe. https://link.springer.com/article/10.1007/s10680-007-9121-y. 08.12.2025

[6] Lyman Stone 2022, o.S.: America’s Growing Religious-Secular Fertility Divide. https://ifstudies.org/blog/americas-growing-religious-secular-fertility-divide. 08.12.2025

[7] Nicholas Wallace 2025, o.S.: EU-Kommission weist Trumps Vorwürfe zurück. https://euractiv.de/news/eu-kommission-weist-trumps-vorwuerfe-zurueck/. 08.12.205

[8] Sebastian Matthes 2025, o.S.: „BASF investiert nirgends so stark wie in Ludwigshafen“. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/interview-basf-investiert-nirgends-so-stark-wie-in-ludwigshafen/100177751.html. 08.12.2025

[9] Kommentar von CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen in Tagesschau 2025, o.S.: „Die USA stehen nicht mehr an der Seite der Europäer“. https://www.tagesschau.de/ausland/europa/us-sicherheitsstrategie-reaktionen-100.html. 08.12.205

[10] Maghann Myers 2025, o.S.: ‘Make Europe Great Again’ and more from a longer version of the National Security Strategy. https://www.defenseone.com/policy/2025/12/make-europe-great-again-and-more-longer-version-national-security-strategy/410038/. 12.12.2025  

[11] Worldbank 2025: GDP, PPP (constant 2021 international $) – United States, China, European Union. https://data.worldbank.org/indicator/NY.GDP.MKTP.PP.KD. 08.12.2025

[12] Norbert Hagen 2025, o.S.: Zwischen KI-Boom und schwachem Arbeitsmarkt. https://www.dasinvestment.com/zwischen-ki-boom-und-schwachem-arbeitsmarkt/. 09.12.2025

[13] David Goldman, Elisabeth Buchwald 2025, o.S.: Trump floats $2,000 tariff rebate checks. What you need to know. https://edition.cnn.com/2025/11/10/economy/tariff-rebate-check-proposal-what-to-know. 09.12.2024

[14] Ab über 50 ist Wachstum anzunehmen.

[15] Martin Brenninghoff 2025, o.S.: Warum die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in der Krise verharrt. https://www.handelsblatt.com/politik/international/china-warum-die-zweitgroesste-volkswirtschaft-der-welt-in-der-krise-verharrt/100179516.html. 08.12205

[16]Expat Infinity 2025, o.S.: US-Universitäten verlieren in China an Attraktivität. https://www.expat-news.com/interkulturelle-kompetenzen-ausland/us-universitaeten-verlieren-in-china-an-attraktivitaet-51452. 08.12.2025

[17] Joseph-Albert Kuuire 2025, o.S.: How Huawei Slowly Built A Strong Foundation in Africa’s Technology Ecosystem. https://labarijournal.com/how-huawei-slowly-built-a-strong-foundation-in-africas-technology-ecosystem/. 09.12.2025

[18] Jonas Waack 2025, o.S: Macht es euch nicht zu einfach. https://taz.de/Neue-Kohlekraftwerke-in-China/!6106295/. 08.12.2025